Komitee Beistand für Tiere

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Polen

 

 

 

Campagne

 

2006

 

 

 

 

2007

 

 

 

  

 

 

 

Hier, in der Herberge, fehlt ihnen nichts. Ein wahres Paradis auf der Erde. Sie haben hier ihre Freunde, Futter, taegliche "Streicheleinheiten", eigenen Platz im Stall, einen Wiesenfleck und die Garantie, dass ihr Leben hier ruhig zu Ende gehen wird. Aber obwohl ihre Wunden durch die sorgfaeltige Pflege endlich heilen und eine tieraerztliche Operation ihnen die Fortbewegungsmoeglichkeiten wiedergibt, bleiben sie schon fuer immer anders als vorher. Pferde, die aus den Schlachttransporten gerettet wurden.

 

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 Zu einem Pferd aus dem Schlachttransport kann sein Alptraum aus der Vergangenheit in einem voellig unerwarteten Moment zurueckkommen. Lucky ergriff er wieder, wenn er in unseren Anhaenger geladen wurde. Er ging gehorsam hinein, wie immer, dann aber fuellte sich der kleine Raum auf den Radern ploetzlich mit Blut, Kot und erschrockenem Atem der in dem Fahrzeug zusammengepferchten Tiere. Er vergass, dass daneben sein Freund steht und begann hysterisch und nervoes zu zittern.

 

 

Luckys groesste Liebe und sein ganzer Lebenssinn ist seit seiner Ankunft in die Herberge Batuta. Er verliebte sich in sie ab dem ersten Augenblick, leidenschaftlich, eifersuechtig. Er ist neidisch sogar auf die pflegenden Haende der Menschen. Sie bilden ein harmonisches Paar : ein Wallach mit boeser Vergangenheit und eine Stute, die auch viel durchhalten musste. Er ist fast zwanzig, sieht aber beinahe nach vierzig aus - er war durch seinen Eigentuemer geschlagen, hatte verfaulte Hufe mit vielen Rissen. Sie wiederum war eine Zuchtstute in einer der bekanntesten polnischen Pferdezuechtereien, bis sie an Asthma erkrankt ist. Dann wurde sie entbehrlich, das Urteil lautete somit "Schlachthof! ". Sogar die Tatsache, dass sie vorher zwoelf schoene Fohlen mit

Abstammungsurkunden geboren hat, war hier kein mildernder Umstand.

In der "Herberge Rettung", die durch die Volontarier gefuehrt wird, wohnen heute 35 Pferde :  Batuta, Sam, ¦nieżynka, Figa, Mona, Kuba, Kostek, Odra, Dinci, Sajra, Gala, Balbina, Oscar, Viktor, Myszka, Kolumb, Gryfka, Wanda, Hawana, Kara, Arlan, Brandon, Boomlight, Feliks, Sedum, B±bel, Tina, Kaszmir, Toronto, Yours, Megan, Daktyl, Bajka, Fortek

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Der Todespreis betraegt ca. 3-4 Tsd. Zloty (ca. 800 bis 1 Tsd. Euro). Soviel zahlen fuer 600-700 kg "Schlachtfleisch" die Italiener - die Hauptabnehmer der aus Polen nach Westen exportierten Pferde. Im Jahre 2001 wurden dorthin fast 40 Tsd. Pferde verkauft. Der Lebenspreis ist nicht mehr so hoch - die aus den Transporten abgekauften Tiere kosten im Duchschnitt einige Hundert Zloty, die Kosten der langwierigen Heilungstherapien ueberschreiten jedoch oft ihren "Handelswert". Das Leben der Odra - einer fuenfzehnjaehrigen Stute aus der Rasse "kleines polnisches Pferd" wurde fuer 700 Zl geschartzt. Sie wurde zum Schlachten bestimmt, wenn sich gezeigt hat, dass sie wegen Hufentzuendung fuer hypotherapeutische Zwecke unbrauchbar geworden ist.

Die Zukunft des Karu¶ - eines dreimonatigen Fohlens war seit seiner Geburt entschieden. Wegen Gehirnschlag wurde er mit Sehnenkontraktur in vorderen Beinen geboren. Das Fortbewegen fiel ihm schwer, er stuerzte staendig um. Deswegen wurde er als fehlerhafte Ware durch die Haendler nur auf 200 Zl geschaetzt. Auch die Bemuehungen seiner Eigentuemer, die versuchten, ihn noch zu maesten, um einen hoeheren Preis zu erzielen, schlugen fehl. Wuerde er auf dem Pferdemarkt in Bodzentyn durch die Menschen aus unserer Organisation nicht entdeckt, waere er mit Sicherheit in einem Pferdetransport nach Italien gebracht. Dank der Organisation konnte das Fohlen, statt  mit Schmerzen und Entsetzen sterben zu muessen, noch einen Monat lang leben. Er wurde operiert, starb jedoch zwei Tage danach, umgeben mit pflegender Liebe seiner menschlichen Freunde. Wegen Maesten waren auch sein Herz und seine Lunge deformiert. 

Nadzieja (Hoffnung) - eine Stute mit sportlicher Vergangenheit, die im Juni vorigen Jahres aus einer der polnischen Umschlagstellen gerettet wurde, hatte eine leichte Parese im hinteren Bein infolge eines Unfalls und Beckenbruches. Fuer den Schicksal von Mystic, der ueber zehn Jahre als "Freizeitpferd" gearbeitet, aber auch im Gespannsport gute Ergebnisse erzielt hat, war eine schwere Hufkrankheit entscheidend. Diese Krankheit hat er sich aus Verschulden des Menschen zugezogen, der ihn ueberlastete. Bei Urbanek wiederum - der aehnlich wie Nadzieja aus der Todes-Warteschlange abgekauft wurde, waren die vernachlaessigten Krankheiten so schwer (Anaemie, Nierenkrankheit und Muskelparese), dass er nicht mehr gerettet werden konnte. Fuer den mehr als zwanzigjaehrigen Schimmel Węgielek, der direkt von der Strasse in Zabrze (Oberschlesien) geholt wurde, wo er erschoepft und mit wunden Seiten lag, da er nicht mehr in der Lage war, den ueberlasteten Kohlenwagen weiterzuziehen, ist die Hilfe im letzten Moment gekommen. Sein Eingentuemer, dem Węgielek auf Anweisung des Buergermeisters von Zabrze weggenommen wurde, sagte uns, dass das Pferd frueher in einer Kohlengrube als Zugpferd gearbeitet hat.  

Frei von schlechten Erinnerungen ist bei uns nur Toronto - geboren schon als freies Pferd - ein Sohn der zehnjaehrigen Figa, die bereits schwanger bei uns nach der gelungenen Rettungsaktion von 50 Pferden aus dem Ueberschwemmungsgebiet von Warta bei Słońsk erschienen ist.  Mitglieder unserer Organisation sind nach Słońsk gekommen, um moeglichst viele Pferde abzukaufen. Es wurden jedoch nur 2 gekauft - fuer mehr hat uns das Geld nicht gereicht; der Rest ist wahrscheinlich sowieso in den Schlachthof geschickt worden - sie waren ja "dazu gezuechtet". Im Gegensatz zu seiner scheuen Mutter, deren Misstrauen wir lange ueberwinden mussten, da sie nicht nur an die Pflege oder Hufausraeumen, sondern auch an Hafer und Moehren gewoehnt werden musste, ist Toronto  sehr offen, temperamentvoll und moechte mit allen anderen Bewohnern unserer Herberge spielen. Am meisten hat er den "Opa" Węgielek lieb.

Zusammen mit Figa ist in unsere Herberge auch ihr Sohn - Brandon gekommen. Genauso wild wie seine Mutter, wollte er sie um jeden Preis vor den Menschen schuetzen. Gewohnt an die Flueche und Peitschenschlaege wollte er nicht glauben, dass sich hinter dem Streicheln und den netten Worten nicht boeses versteckt. Nach einigen Wochen in der Herberge ist er ruhiger und fuegsamer geworden. Jetzt bittet er selber um seine Streicheleinheiten.

Brandon und Figa sind dem Schlachthof entgangen. Nicht jedes Pferd hatte so viel Glueck. Wenn die Mitglieder unserer Organisation die ersten Pferde abkauften - Tyszek und Kasztan, wollten sie zureckkommen und noch das dritte Pferd abholen, fuer das ihnen damals das Geld nicht gereicht hat. Wenn sie das Geld zusammengerafft haben und wieder im Stahl erschienen sind, war der Stall schon leer. Der betruegerische Vermittler hat sein Wort nicht gehalten - ein Tag vor dem vereinbarten Termin ist das Fohlen mit einem Transport nach Sardinien gefahren.

Die Pferdezuechter waehlen ihre Tiere nach dem Grundsatz : jung, gesund und schoen aus. In der Herberge sieht das anders aus. Die groessten Asylchancen haben die behinderten Pferde : mit gebrochenen Beinen, die schon in dem Transport zum Schlachthof umgekommen waeren, solche, die alt und krank sind.

Neben den Pferden hat in unserer Herberge auch der Kater Łapek sein Zuhause gefunden - ein Tier, dem waehrend der Feldarbeiten drei Pfoten mit einer Sense abgeschnitten wurden. Er wurde dann auf einen Misthaufen geworfen, ist aber nicht gestorben. Hat sich irgendwo versteckt und nach zwei Monaten wieder auf die Welt ausgekrochen. Er ist nach Hause zurueckgekommen, wurde aber rausgeschmissen. Unsere Volontarier, die ihn an einer Strasse gefunden haben, als sie sahen, wie er schwaenzelt und kriecht, indem er ums Leben bittet, haben auf die erste Absicht verzichtet, seine Leiden durch Einschlaefern beim Tierarzt beenden zu lassen. Sie haben fuer ihn ein neues Heim in Katowice gefunden, wo er trotz Behinderung zum Fuehrer der ganzen Schar von Hauskatzen wurde.

Wir hatten bei uns in der Herberge auch Łatek gehabt - einen Hund, der als Welpen von einem Schlepper ueberfahren wurde. Er hatte gebrochenen Becken, somit haben ihn seine Eigetuemer rausgeworfen, indem sie gehofft haben, dass er schnell stirbt. Obwohl seit diesen Ereignissen bereits fuenf Jahre vergangen sind, lauft Łatek immer wieder weg, wenn er nur Motorgeraeusche hoert. Aus dem mehrwoechigen Kampf ums Ueberleben ist ihm die Neigung zum Eingraben eines Teils seines Futters geblieben. Aber auch sein Schicksal hat sich zum Besseren gewendet  - er hat jetzt ein schoenes Zuhause und gute Eigentuemer.

Ihr eigenes Zimmer haben bei uns auch die Katzen, die in einem der Versuchsinstitute in der Gegend geboren und fuer medizinische Versuche gezuechtet waren. Es hat sich auch Platz fuer zwei kleine Ziegenboeckchen  gefunden, die eine Hauptattraktion bei einem gewissen Lagerfeuer sein sollten, fuer einige Kaninchen, die zu Pasteten verarbeiten werden sollten sowie fuer zwei Mastschweine und eine Kuh.

Die Herberge "Rettung" ist kein normaler Ort. Kein Mensch schlaegt hier die Tiere, keiner drueckt sie in die Kaefige, keiner sticht mit einem Schraubenzieher in die Augen, keiner betaeubt mit Alkohol. Kein Mensch isst hier Fleisch. Es ist ein Haus der Tiere. Alles steht hier auf dem Kopf : die Zeit der Menschen ist der der Tieren untergeordnet, die Hausgeraete sind an die Beduerfnisse der Tiere angepasst, die Tiere leben in einer Harmonie. Die Hunde schlafen an die Katzen gedrueckt, die Boecke neben dem Schwein, die Pferde kommen an fremde Menschen heran und lassen sich streicheln. Als ob sie vergessen wollten, was oft das Wort "Mensch" fuer sie bedeutet.